Tourbericht
Mit der Hitze auf Tuchfühlung
Manchmal schreibt nicht der Tourenplan den Tag – sondern die Natur
Caspar bleibt heute im Begleitfahrzeug
Nicht mit im Sattel sitzt heute Caspar. Die dramatische Schlussphase der gestrigen Etappe hat ihren Tribut gefordert. Als das Navigationsgerät versagte und die Handyakkus fast erschöpft waren, übernahm er mit seinem Smartphone die Verantwortung, das Team sicher zum Hotel zu lotsen. Aus Sorge, dass auch sein Akku vor dem Ziel den Geist aufgeben könnte, hielt er das Tempo hoch – bei brütender Hitze und auf einem anspruchsvollen Feldweg. Die Kombination aus Verantwortung, extremer Hitze und körperlicher Belastung war am Ende wohl etwas zu viel. Heute unterstützt er das Team deshalb vom Begleitfahrzeug aus – mit dem festen Ziel, schon bald wieder selbst in die Pedale zu treten.

Hitzebubbles und Wüstenerlebnisse
Trotz der verkürzten Strecke verlangt der Tag den übrigen drei Rennradfahrern alles ab. Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten „Hitzebubbles“: Immer wieder rollen sie mit dem Rennrad in regelrechte Hitzewellen hinein – als würde sich plötzlich die Tür zu einer Sauna öffnen. Wenige Meter später wird die Luft wieder etwas erträglicher, bevor die nächste glühende Wand wartet. Ein faszinierendes, aber auch kräftezehrendes Erlebnis.

Bei Temperaturen, die den Asphalt flimmern lassen, verändert sich sogar die Wahrnehmung. Tankstellen sind heute keine gewöhnlichen Versorgungsstationen mehr – in Gedanken werden sie kurzerhand zu Eisdielen. Alles, was Abkühlung verspricht, gewinnt plötzlich höchste Priorität.
Doch die größte Herausforderung wartet mitten in der scheinbar endlosen, wüstenartigen Landschaft: Dem Team geht das Wasser aus. Kilometer um Kilometer führt die Strecke durch die glühende Hitze, ohne eine Möglichkeit, die Flaschen wieder aufzufüllen. Erst nach fast 20 Kilometern taucht endlich die ersehnte Versorgungsmöglichkeit auf.

Besonders für Konstantin, mit 17 Jahren der Jüngste im Team, ist dieser Moment eine echte Bewährungsprobe. Er beißt die Zähne zusammen und denkt an die Geschichte von Kena in Äthiopien . Der Gedanke an sie und an all die anderen Kinder, für die diese Tour gefahren wird, lässt ihn weiter in die Pedale treten. Umso bemerkenswerter ist dieser Moment, wenn man an die Vorbereitung der Charity-Tour zurückdenkt: Auf die Frage, worauf er sich am meisten freue, antwortete Konstantin damals nicht mit spektakulären Alpenpässen oder langen Etappen, sondern damit, anderen Kindern helfen zu können. Mitten in der sengenden Hitze Spaniens, als jeder Tritt Kraft kostet, zeigt sich, dass genau diese Motivation ihn bis heute trägt. (Übrigens, zwischendurch ist es ganz interessant, sich auf der Charity-Tour-Website umzusehen und z.B. auf die Teamseite zu klicken).
Ankunft in Andalusien
Mit dem Start in den zweiten Teil der Etappe erreichen die Fahrer Andalusien. In der Provinz Granada verändert sich die Landschaft spürbar: Tiefe Schluchten, schroffe Felsformationen und enge Straßen prägen das Bild. Teilweise ist die Strecke so schmal, dass sie mit dem Auto kaum befahrbar wäre – mit dem Rennrad dagegen eröffnet sich ein einzigartiges Naturerlebnis.

Immer wieder sind Höhlenwohnungen zu entdecken, die direkt in die Felswände gebaut wurden und bis heute das Landschaftsbild prägen. Unweit der Strecke, nahe der Ortschaft Galera, liegt zudem die mehr als 3.500 Jahre alte Höhensiedlung Castellón Alto. Hoch über dem Tal gelegen, zeugt sie davon, dass Menschen diese raue und zugleich faszinierende Landschaft bereits in der Bronzezeit als Lebensraum wählten – ein beeindruckendes Zeugnis der langen Geschichte dieser Region.
Die Zahlen des Tages: 99 km | 900 hm | 23,5 km/h | 46 °C
Nach 99 Kilometern, rund 900 Höhenmetern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,5 km/h erreichen die Fahrer schließlich ihr Tagesziel. Die Erleichterung ist groß, die Dankbarkeit noch größer. Und das erste eiskalte Getränk? Es löscht nicht nur den Durst – es schmeckt nach einem erfolgreichen Tag, an dem Vernunft, Durchhaltevermögen und die Schönheit Andalusiens den Sieg über die Hitze davontragen.
Die heutige Etappe zeigt einmal mehr, worum es bei dieser Tour wirklich geht: nicht um Rekorde, sondern darum, gemeinsam und verantwortungsvoll Kilometer für den guten Zweck zu sammeln. Das Feuer für die Mission brennt weiter – nicht nur unter der spanischen Sonne, sondern vor allem in den Herzen des gesamten Teams.
Kommentare
Hallo Karsten, Werner, Caspar und Konstantin. Wie haltet ihr das aus?Ihr werdet ja regelrecht gekocht bei der Hitze. Ich erinnere mich an den Spruch:" Dein stärkster Muskel ist dein Wille". Wenn ich den Streckenplan für morgen sehe, muss ich einfach weggucken. 2250 Höhenmeter. Streicht den Donnerstag. Trefft gute Entscheidungen. Wir wissen was ihr leistet, aber ihr sollt auch heil ankommen. Die community der Charity Tour spendet!
Bei der Hitze fährt man doch nicht auf Asphalt,
da kommt die Hitze von oben und unten...
daher das Rennrad auf Gravel-Reifen umbauen ( 30mm )
und im kühlen Schatten ( Wald, Gelände ) fahren
Lieber Steffen,
ja, so true aber der Wilde Westen Andalusiens kennt keinen Wald und Gibraltar ist noch ein bisschen entfernt…Wetterextreme wie wir sie nicht kennen…und die die letzten Tage echt beschwerlich machen. An dich als „alten Windsurfer“ - das wäre jetzt vermutlich die passende Alternative.
Liebes Charity-Team,
was ihr erlebt können wir nicht nachvollziehen. Diese unbarmherzige Hitze und doch kämpft ihr tapfer weiter. Nicht für euch......, nein! Für Kinder in Not und das ist ein guter Zweck!!!!!!!!! Da spenden wir soooooo gerne!!!!!!
Wenn es mal noch schlimmer wird, was wir euch nicht wünschen, dann denkt an den Eisbären auf der Eisscholle, dem es dort inzwischen auch schon zu heiß wird. Aber vor allem denkt an euch und eure Gesundheit. Ihr werdet geliebt und getragen.