Tourbericht

Wenn Warnzeichen sich häufen und wichtiger als Kilometer werden

09.07.2026 · 19:30 Uhr · Gerlinde Müller

Als der Weg plötzlich endet – und vielleicht genau deshalb weitergeht

Ein Morgen voller ungewöhnlicher Signale

Geplant: 154 Kilometer von Baza nach Jaén, 2.250 Höhenmeter, eine anspruchsvolle Etappe auf dem Weg nach Gibraltar.

Die Realität: Nach nicht einmal 50 Kilometern endet der Tag – und ausnahmsweise ist nicht die spanische Hitze der Grund.

Schon der Morgen beginnt ungewöhnlich. Caspar, Konstantin und Karsten verschlafen. Der Wecker bleibt ungehört. Ein holpriger Start, über den man normalerweise schmunzeln würde. Doch dann erreicht Karsten eine Nachricht von einem langjährigen Weggefährten, der die Tour seit dem ersten Tag begeistert verfolgt und unterstützt. Seine Worte sind ungewöhnlich deutlich: Heute sollte die Gruppe lieber nicht fahren.

Ein merkwürdiger Zufall? Vielleicht.

Eine Panne jagt die nächste

Die Tour beginnt trotzdem. Doch schon nach rund 40 Minuten folgt der nächste Rückschlag. Werner erwischt der inzwischen dritte Platten der Reise. Als wäre das nicht genug, gibt ausgerechnet die Luftpumpe ihren Geist auf. Wieder kostet eine Panne Zeit, Kraft und Nerven. Trotzdem rollt die Gruppe weiter.

Werners dritte Reifenpanne der Charity Tour - und noch ahnt niemand, dass das erst der Anfang ist.
Nach knapp 50 Kilometern treffen sie Klaus auf dem Parkplatz einer Tankstelle. Werner bringt sein Fahrrad – wie immer mit seiner bekannten Gründlichkeit – wieder in Schuss. Alles wird kontrolliert, geprüft und sorgfältig montiert. Die Stimmung ist gut. Gleich soll es weitergehen.

Der Knall, der alles verändert

Dann passiert das Unfassbare.

Mit einem ohrenbetäubenden Knall explodiert plötzlich der Hinterreifen. Der Druck ist so gewaltig, dass der Reifen regelrecht auseinanderfliegt. Das Zahnrad wird rund einen Meter weit weggeschleudert. Für einen Moment steht alles still.

Zum Glück geschieht das im Stand.

Werner sammelt die Einzelteile seines Rennrads zusammen

Niemand möchte sich ausmalen, was passiert wäre, wenn der Reifen wenige Minuten später bei einer schnellen Abfahrt geplatzt wäre.

Für die Gruppe ist in diesem Moment klar: Das sind keine gewöhnlichen Pannen mehr. Die Ereignisse dieses Vormittags sind nicht bloße Verkettung unglücklicher Zufälle, sondern wohl eher ein deutlicher Hinweis, heute innezuhalten. Schweren Herzens fällt die Entscheidung, die Etappe abzubrechen – und diesmal nicht wegen der Hitze, sondern wegen der Warnsignale.

Eine Werkstatt bringt Gewissheit

Doch der Tag hält noch eine weitere Überraschung bereit.

In der Fahrradwerkstatt am heutigen Etappenziel wird nicht nur Werners Rad repariert. Der Mechaniker entdeckt auch einen Defekt am Lager von Karstens Vorderrad. Bei höherem Tempo hätte das Vorderrad blockieren können – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen.

Fast nebenbei erlebt Karsten eine Premiere: Obwohl er normalerweise mit seinem fließenden Englisch überall zurechtkommt, hilft es diesmal nicht weiter. Der Mechaniker spricht ausschließlich Spanisch. Also kommt zum ersten Mal eine Übersetzungs-App zum Einsatz – eingerichtet und erklärt von seinen Söhnen.

Wichtiger Zufallsbefund: Karstens Fahrrad braucht dringend eine neue Felge.

Die Diagnose ist eindeutig: Eine neue Felge muss her.

Erst jetzt wird klar, wie eng die Ereignisse dieses Tages miteinander verbunden sind. Das verdächtige Geräusch am Vorderrad begleitet Karsten bereits seit gestern. Eigentlich hoffte er, damit noch bis Gibraltar fahren zu können. Wäre Werners Reifen nicht spektakulär geplatzt und hätte die Gruppe die Werkstatt nicht aufgesucht, wäre dieser Defekt vermutlich unentdeckt geblieben.

Manchmal erkennt man den Wert einer Unterbrechung erst im Rückblick.

Das eigentliche Ziel bleibt

So endet die Etappe ungewohnt früh – nicht im Sattel, sondern im Auto. Die geplanten Kilometer bleiben zwar auf der Strecke, dafür sind am Ende des Tages zwei Fahrräder wieder sicher einsatzbereit und die Gruppe kann die Charity-Tour mit einem guten Gefühl fortsetzen.

Morgen wartet ein neuer Anlauf. Und genau darum geht es auf dieser Tour: Nicht jeder Tag verläuft nach Plan. Entscheidend ist, dass das eigentliche Ziel bestehen bleibt.

Denn dieses Ziel liegt ohnehin weit hinter Gibraltar. Jede Spende hilft dabei, Kindern und Jugendlichen in Äthiopien und Malawi durch die Projekte von human aktiv  und NAK-karitativ  neue Bildungs- und Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Auch wenn die heutige Etappe früh endet, geht diese Mission weiter.

Zum Abschluss eines bewegenden Tages blicken wir noch einmal nach Afrika:

Gestern wurde in der Selam Hiwot School in Äthiopien der Schuljahresabschluss festlich begangen. Die Kinder haben stolz ihre Zeugnisse entgegengenommen, und ihre Familien haben diesen besonderen Moment gemeinsam mit ihnen gefeiert. Die Vorfreude ist groß: Mit unserer Unterstützung entstehen schon bald zwei zusätzliche Klassenräume und eine Schulbibliothek.

Stolz auf das Erreichte: Beim Schuljahresabschluss feiern Kinder und Familien.

Auch im malawischen Dorf Sikereta ist die Schule weit mehr als ein Ort zum Lernen. Sie ist ein Treffpunkt für Familien und ein Mittelpunkt des Dorflebens. Die gesamte Dorfgemeinschaft profitiert von ihr. Zione Kuwani, ein Gemeindemitglied, erzählt, wie die Schulkinder zu Vorbildern für andere Kinder werden – besonders für Mädchen, die dadurch ermutigt werden, selbst zur Schule zu gehen und ihren eigenen Weg zu finden.

"Bildung verändert unser Dorf", so Zione Kuwani aus dem malawischen Dorf Sikereta.

Mir eurer Spende  helft ihr dabei, diese schönen Geschichten weiterzuschreiben.

Kommentare

Indy

Wenn man euren heutigen Bericht liest, könnte man an Magie glauben .So viel Glück im Unglück! !Da waren doch etliche Schutzengel an eurer Seite, die das Schlimmste verhindert haben. Für die letzten zwei Tage noch gute und störungsfreien Fahrt.

Helmut

Hallo, Charity Team! Puh, ein Tag zum vergessen? Nein , der besonderen Erfahrung! Bei diesen extremen Verhältnissen, diesen Temperaturen leidet nicht nur das Team, auch die Technik streikt. Die Probleme gehen ja wohl durch die ganze Bandbreite der Fahrradtechnik. Nicht nur Reifen und Luftpumpe, auch Lager und Ritzel versagen ihren Dienst. Der Reifenplatzer hat euch gewarnt. Ihr ward nicht taub, sondern aufmerksam!! - Spontan denke ich an Bileam. Da mußte erst die Eselin reden bis dieser begriff, was los war. ( 4.Mose22, 21 ff). Aber ihr habt den Schuß gehört! Habt das Richtige zum richtigen Zeitpunkt getan! Prima! Nun ist wieder alles parat, die Räder ok, ihr seid gestärkt und motiviert. Wir sind gedanklich bei euch, stärken euch moralisch. Geht es vorsichtig an morgen. Wir wünschen euch ein gute, vorletzte Etappe, daß es wieder flutscht.

Konstantin Kühnle

Caspar sprach heute von mehreren Zeichen und betonte, dass wir aufmerksam sein müssen, nachdem Werners Vorderrad platt war. Bereits gestern hatte Caspar zu Werner scherzhaft gesagt: „Alle guten Dinge sind drei“, und meinte dabei, dass Werner aufpassen müsse.

Charity-Team

VIELEN DANK an die Teams von NAK Karitativ und NAK Human für die Live-Eindrücke von der Selam Hiwot School beziehungsweise von Zione aus Sikereta! So schön, dies greifbar/erlebbar zu sehen! Wir grüßen vielmals alle Leser, Freunde, Mitstreiter, Familien, Förderer und großherzigen Menschen und Spender, welche die Charity-Tour 2026 bislang unterstützt haben.

Martina und Rudi Bienzle

Ihr Lieben alle, ihr hattet 1000 Schutzengel, nicht nur einen !!!!! Nicht auszudenken wenn sowas während der Fahrt passiert wäre....... Da bekommt man Gänsehaut beim Lesen..... Ihr vollbringt Tag für Tag Unglaubliches und das bei der Hitze. Jetzt ist es fast geschafft, kommt gut an Euer Ziel. Der Spendenbetrag steigt und steigt. Das ist wunderbar und die Kinder freuen sich. Eure Strapazen haben sich "gelohnt"!!!! Ihr seid echte Helden und macht unglaublich viel Gutes für die Kinder. Es ist schön, dass auch Beiträge davon eingespielt wurden. Danke dafür. Der ganze Blog ist klasse. Wir begleiten Euch weiter mit unseren Gebeten. Bei uns ist heute Barocklauf in Ludwigsburg. Wir würden auch gerne an Eurer Strecke stehen und Euch "anfeuern". Im Geiste sind wir bei Euch!!! Alles Gute für Euch alle.
Liebs Grüssle aus Ludwigsburg
Martina und Rudi Bienzle

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