Tourbericht
Schreckmomente auf der Abfahrt und warum sich jeder Kilometer lohnt
Etappe Nr. 4: Hügel, Hindernisse und Hoffnung
140 Kilometer, 1.050 Höhenmeter – von Girona nach Sant Sadurní d'Anoia
„Landschaftlich unterscheidet sich die heutige Etappe kaum von der gestrigen. Allerdings fahren wir nicht am Mittelmeer entlang, sondern es ist eine Hügel-Etappe.“ So beschreibt Werner die vierte Etappe im Tourheft. Was zunächst nach einer ruhigen Fahrt klingt, entwickelte sich schnell zu einem Tag voller Herausforderungen.
Ständiges Auf und Ab, endlose Wellen und kaum Zeit zum Durchatmen. Die Höhenmeter summieren sich, die Beine werden schwerer und die Anstrengung der vergangenen Tage ist inzwischen jedem im Team anzusehen. Wer die Bilder des Tages betrachtet, erkennt: Die Charity Tour fordert ihren Tribut. Täglich viele Stunden im Sattel zu sitzen, hinterlässt schmerzhafte Spuren.

Doch dann sorgt ein besonderes Ereignis für neue Motivation. Plötzlich rollt ihnen die Weltelite des Radsports entgegen: Das Astana Team nutzt die Straßen Kataloniens für die letzten Trainingskilometer vor dem Start der Tour de France. Für einen kurzen Moment teilen sich Profis und Charity-Radfahrer dieselbe Straße – beide vereint durch die Leidenschaft fürs Rennradfahren, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Zielen.

Nur wenig später steigt der Puls allerdings aus einem ganz anderen Grund.
Mitten in einer steilen Passabfahrt platzt an Werners Rennrad der Reifen. In einer Situation, in der jede Sekunde zählt, heißt es: Ruhe bewahren und das Rad kontrollieren. Fast zeitgleich kommt es zu einem Beinahe-Auffahrunfall. Nur dank Caspars blitzschneller Reaktion und eines tollkühnen Ausweichmanövers kann ein Sturz verhindert werden.
Nach dem Schreck auf der Abfahrt folgt routinierte Teamarbeit: Der kaputte Reifen ist schnell gewechselt und die Fahrt geht weiter.

Die Anspannung löst sich allerdings erst im Ziel: Alle kommen wohlbehalten in Sant Sadurní d'Anoia an und trotz aller Aufregung endet die heutige Etappe mit einem guten Gefühl, denn mit jedem gefahrenen Kilometer unterstützen die Radfahrer Bildungsprojekte. Wie gut tun deshalb die heutigen Nachrichten aus den Projektregionen.
20 Jahre Hoffnung in Äthiopien
Vor 20 Jahren reiste Hans-Jürgen Bauer durch Äthiopien. Am Straßenrand sah er Kinder, die unter freiem Himmel lernten. Dieser Anblick ließ ihn nicht mehr los und wurde zur Initialzündung für ein Projekt, das bis heute Leben verändert.
So entstand die Selma Hiwot School – die einzige Schule der Region, die Waisenkinder und besonders schutzbedürftige Kinder kostenlos unterrichtet.
Beeindruckend sind auch die Dimensionen: Während in Deutschland Klassen mit 20 bis 30 Kindern üblich sind, lernen in der Selma Hiwot School rund 50 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit einer Lehrkraft. Umso bemerkenswerter ist das Engagement aller Beteiligten, den Kindern trotz dieser Herausforderungen eine gute Bildung zu ermöglichen.

Große Träume aus Malawi
Auch aus Malawi erreichen uns heute berührende Nachrichten: Ein liebevoll gestaltetes Video zeigt Kinder, die mit großer Freude zur Schule gehen. Sie erzählen von ihren Träumen und Berufswünschen – voller Hoffnung, Neugier und Zuversicht.
Genau für diese Kinder treten unsere Radfahrer jeden Tag erneut in die Pedale. Jeder Höhenmeter, jeder schmerzende Muskel und jeder gefahrene Kilometer trägt dazu bei, Bildung und Zukunftsperspektiven möglich zu machen.
Nach vier anspruchsvollen Etappen ist die Erschöpfung deutlich spürbar. Doch eines ist genauso deutlich zu erkennen: Die Motivation ist ungebrochen. Morgen wartet bereits die nächste Herausforderung.
Kommentare
Liebe Radfahrer,
während eurer Reise von Marseille nach Gibraltar möchte ich euch meinen tiefsten Dank und meine Bewunderung für euer Engagement für diesen edlen Zweck aussprechen. Eure Entschlossenheit, mehr als 1.700 Kilometer zurückzulegen und Tausende von Höhenmetern zu bewältigen, ist für uns alle eine Inspiration.
Es wird Tage geben, an denen das Wetter euch zu schaffen macht, an denen die Straße endlos erscheint und an denen jeder Anstieg eure Kraft und Ausdauer auf die Probe stellt. Denkt in solchen Momenten daran, warum ihr euch auf den Weg gemacht habt. Jeder Kilometer, den ihr zurücklegt, bringt Hoffnung für Kinder, Familien und Gemeinden, die von euren Anstrengungen profitieren werden.
Misst euren Erfolg nicht an der Schwierigkeit der Strecke, sondern an der Wirkung eurer Mission. Sonne, Wind, steile Berge und lange Tagesetappen sind nur vorübergehende Hindernisse. Euer Mut, euer Engagement und euer Zusammenhalt sind weitaus stärker als jede Herausforderung, der ihr unterwegs begegnen werdet.
Ermutigt euch gegenseitig, behaltet das Ziel im Blick und zweifelt niemals am Wert dessen, was ihr vollbringt. Mit jedem Tritt in die Pedale bewegt ihr euch nicht nur auf der Karte vorwärts, sondern schafft auch Chancen und verändert Leben.
Ich wünsche euch Kraft für jeden Anstieg, Ausdauer für jede Etappe, Sicherheit auf der gesamten Reise und große Freude, wenn ihr euer Ziel erreicht. Wir sind stolz auf euch, wir glauben an euch und wir freuen uns darauf, eure erfolgreiche Ankunft zu feiern.
Mögt ihr entschlossen fahren, voller Stolz ins Ziel kommen und mit wunderbaren Erinnerungen an eine außergewöhnliche Leistung zurückkehren.
Mit aufrichtiger Wertschätzung und den besten Wünschen
Mergia Degefu (Schuldirektor der Selma Hiwot School, Äthiopien)
Sehr herzlichen Dank für die lieben Grüße und besten Wünsche des Schuldirektors aus Äthiopien. Ich bin glücklich,dass ihr Lieben aus der Ferne so herzlich grüßt. Ganz nahe sind wir innig mit euch verbunden. Wir grüßen herzlich aus Spanien.
Ein Glück, dass Caspar so blitzschnell und vorausschauend reagiert hat und alle unversehrt geblieben sind! Eine starke Leistung von euch allen… Respekt!!!
Oh, in solchen Schreckmomenten ist schnelle Reaktion und Weitsicht geboten. Sicherheitsabstand hilft!! Ein Reifenplatzer in der Abfahrt ist ja der Supergau. Der Engelschutz leistet Schwerstarbeit. Glückliche Fahrt weiterhin. Ich fiebere mit euch!
wieder einmal hat sich bestätigt, warum wir alle fest für euch beten und aus diesem Grund auch unzählige Engel bei euch und um euch sind. Ihr Helden, anders kann man euch nicht beschreiben!!!!!!!!
Ich bin in Gedanken bei euch und wünsche euch viele wunderbare Erlebnisse und keine Schreckmomente mehr.
Mit einer tiefen Verneigung grüße ich alle herzlich.